Mama, ich möchte so viel machen nach meiner Chemo!

Freitag ist Chemotag und Filmabend. Es gibt Popcorn und Kuscheln auf der Couch. An diesem Tag – und wenn ich so nachdenke eigentlich auch an allen anderen – klebt er an und auf mir oder an der Schwester 😉
Die Thrombozyten waren mit 45 000 tief, aber damit gerade noch in dem Bereich wo die Chemo gegeben werden kann. Die Venen sind ja leider nach 9 Monaten mittlerweile so zerstochen, dass es schon schwierig wird eine funktionierende zu finden. Aber nach etwas rein- und rausziehen und hin- und herschieben klappt es und das Blut 🩸 läuft – der Venflon funktioniert.
Erik meint zu allen im Untersuchungszimmer: „Ein zweites Mal Stechen hätte ich nicht mitgemacht. Ich wär‘ heimgegangen.“

Was für Ihn so einfach und logisch klingt, macht mir sehr deutlich klar, dass wieder dringend etwas für seine Seele getan werden muss. Er braucht wieder mehr Ablenkung, kraftspendende Momente, Normalität, Lachen, Freude und Spiel mit anderen Kindern. Die Ärztin sagt: „Erlauben Sie ihm jetzt Sozialkontakte- momentan gibt es durch den Lockdown in allen Bereichen kaum Infektionen!“und meint damit speziell auch die gefürchteten Masern und Windpocken, welche für immunsupprimierte Onkokids sehr gefährlich werden können.
Es gibt Kindern die keine Abwehrschwäche entwickeln und die eine Chemo sehr gut vertragen und sogar in die Schule gehen können. Erik gehört nicht dazu. Er reagiert sehr stark, allerdings auch mit dem Vorteil dass die Chemo sehr gut wirkt und der Tumor im linsenförmigen Kern des Gehirns (N. Lentiformis) sich bereits um die Hälfte verkleinert hat und der zweite Tumor am linken Sehnerv bereits ganz zurückgegangen ist. Auch die Auftreibung am rechten Sehnerv ist verschwunden.

Abends kuscheln wir, gucken einen Film und essen Karamell-Popcorn, als Erik meint: „ Mama, ich möcht‘ so viel machen nach meiner Chemo!“
Ich hole Stift & Papier und wir sammeln. Vielleicht geht ja einiges auch schon währendessen, mal sehen ….

  • ins Kino gehen
  • in den Family Park fahren
  • nach München zum Papa fahren und was ich dort tu, überleg ich mir noch
  • am Grabensee Zelten
  • Sommer rodeln gehen
  • in den Urlaub fahren zum Sandstrand
  • mit Oma und Opa in die Therme nach Ungarn fahren
  • ins Ohnezahn Land fahren
  • Bayernpark
  • im Legoland übernachten
  • Tim wieder sehen
  • in einen großen Süssigkeitenladen gehen
  • in Gnas in die Schokoladenfabrik gehen

Ich sag zu ihm, „Sammeln kann man ja mal alles und dann schauen wir mal was geht!“ und löse damit scheinbar die Erinnerung an den Weihnachtswunschzettel aus, bei dem dann nach dem Sammeln auch reduziert wird 😆 „ Aber ins Kino gehe ich auf jeden Fall!“, meint er.
„Das geht ganz bestimmt“, sag ich … „und bis dahin bröseln wir mit unserem Popcorn halt zuhause die Couch voll“ 😉😆

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