Schattenkinder … so werden Geschwister von schwer kranken Kindern oft genannt … weil sie im Schatten stehen, sich oft zurücknehmen, funktionieren müssen. Meine Tochter freute sich gerade auf Ihre Party zu Ihrem 3. Geburtstag als ich das erste Mal mit dem Verdacht auf Neurofibromatose bei ihrem 5monatigen, kleinen Babybruder konfrontiert war und mit ihm stationär ins Krankenhaus musste. Ihre Lieblingsfarbe war damals rosa und sie trug konsequent und ausnahmslos nur Kleider – am Besten möglichst auffallend und ungewöhnlich und die Witterung war sowieso unwichtig.
Wir hatten alle gerade die echte Grippe durchgemacht, schlaflose Nächte mit einem wenig Monate alten Baby und dann dieser Verdacht. Eine unheilbare Tumorerkrankung. Meist ein milder Verlauf hab ich gelesen, nur wenige entwickeln Tumore. Der März 2012 blieb mir in Erinnerung mit „Grippe, Krankenhaus, 3. Geburtstag“. Es war ein Wendepunkt in unserem Leben und der Beginn eines ständigen Auf- und Ab’s. Der Beginn von vielen Untersuchungen und noch mehr Diagnosen und Schockmomenten. Und dieses Leben seither, hat diese extravagante junge Dame immer wieder in den Schatten gestellt, es hat viel von ihr abverlangt, viel gefordert. Sie bekommt tatsächlich weniger Aufmerksamkeit, es ist herausfordernd für mich sie nicht zu vergessen auch wenn ich bewusst plane und mir Zeit für sie alleine nehme – es ist nicht gerecht aufgeteilt. Es geht einfach auch nicht.
Sie ist erwachsener als viele Erwachsene es je sein werden, reifer, verantwortungsbewusster … und doch noch ein Kind, welches hören möchte wie sehr es geliebt wird. Daran hat mich ihr Papa gestern wieder erinnert, weil sie plötzlich zornig explodiert ist und plötzlich doch den Papa in München besuchen wollte, welcher am Tag zuvor noch abgeblitzt war.
Ich hab’s tatsächlich in den letzten Wochen kaum zu ihr gesagt. Weil ich müde war, mit mir selbst und den Anforderungen rund herum zu tun hatte, den kleinen Kämpfer gepflegt habe.
Ich hab ihr gestern Abend dann gesagt dass ich sie sehr liebe, hab mich zu ihr ans Bett gesetzt und ihr den Rücken gestreichelt damit sie besser einschlafen kann. Und es war gut.

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